Psalme Sammlung Teil 4

Psalm 77

Ich rufe zu Gott, ich schreie,

ich rufe zu Gott, bis er mich hört.

Am Tag meiner Not suche ich den Herrn;

unablässig erhebe ich nachts meine Hände,

meine Seele läßt sich nicht trösten.

Denke ich an Gott, muß ich seufzen;

sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen.

Du läßt mich nicht mehr schlafen;

ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.

Ich sinne nach über die Tage von einst,

ich will denken an längst vergangene Jahre.

Mein Herz grübelt bei Nacht,

ich sinne nach, es forscht mein Geist.

Wird der Herr mich denn auf ewig verstoßen

und mir niemals mehr gnädig sein?

Hat seine Huld für immer ein Ende,

ist seine Verheißung aufgehoben für alle Zeiten?

Hat Gott seine Gnade vergessen,

im Zorn sein Erbarmen verschlossen?

Da sagte ich mir: “Das ist mein Schmerz,

daß die Rechte des Höchsten so anders handelt”.

Ich denke an die Taten des Herrn,

ich will denken an deine früheren Wunder.

Ich erwäge all deine Werke

und will nachsinnen über deine Taten.

Gott, dein Weg ist heilig.

Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott?

Du alleine bist der Gott, der Wunder tut,

du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

Du hast mit starkem Arm deine Volk erlöst,

die Kinder Jakobs und Josefs.

Die Wasser sahen dich, Gott,

die Wasser sahen dich und bebten.

Die Tiefen des Meeres tobten.

Die Wolken gossen ihr Wasser aus,

das Gewölk ließ Stimme dröhnen,

auch deine Pfeile flogen dahin.

Dröhnend rollte dein Donner,

Blitze erhellten den Erdkreis,

die Erde bebte und wankte.

Durch das Meer ging dein Weg,

dein Pfad durch gewaltige Wasser,

doch niemand sah deine Spuren.

Du führest dein Volk wie eine Herde

durch die Hand von Mose und Aaron.

nach oben





Psalm 82

Gott steht auf in der Versammlung der Götter,

im Kreis der Götter hält er Gericht.

“Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten

und die Frevler begünstigen?

Verschafft Recht den Unterdrückten und Waisen,

verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht!

Befreit die Geringen und Arme,

entreißt sie der Hand der Frevler!”

Sie aber haben weder Einsicht noch Verstand,

sie tappen dahin im Finstern.

Alle Grundfesten der Erde wanken.

“Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter,

ihr alle seid Söhne des Höchsten.

Doch nun sollt ihr sterben wie Menschen,

sollt stürzen wie jeder der Fürsten.

Erheb dich, Gott, und richte die Erde!

Denn alle Völker werden dein Erbteil sein.




 




Psalm 84

Wie liebenswert ist deine Wohnung,

Herr der Herrscharen!

Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht

nach dem Tempel des Herrn.

Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu,

ihm, dem lebendigen Gott.

Auch der Sperling findet ein Haus

und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen

deine Altäre, Herr der Heerscharen,

mein Gott und mein König.

Wohl denen, die wohnen in deinem Haus,

die dich allezeit loben.

Wohl dem Menschen, die Kraft finden in dir,

wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten.

Ziehen sie durch das trostlose Tal,

wird es für sie zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft;

dann schauen sie Gott auf dem Zion.

Herr der Heerscharen, höre mein Beten,

vernimm es, Gott Jakobs!

Gott, sieh her auf unsern Schild,

schau auf das Antlitz deines Gesalbten!

Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums

ist besser als tausend andere.

Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes,

als wohnen in den Zelten der Frevler.

Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild.

Er schenkt Gnade und Herrlichkeit;

der Herr versagt denen,

die rechtschaffen sind, keine Gabe.

Herr der Herrscharen, wohl dem, der dir vertraut!

 





Psalm 85

Einst hast du, Herr, dein Land begnadet

und Jakobs Unglück gewendet,

hast deinem Volk die Schuld vergeben,

all seine Sünden zugedeckt,

hast zurückgezogen deinen ganzen Grimm

und deinen glühenden Zorn gedämpft.

Gott, unser Retter, richte uns wieder auf,

laß von deinem Unmut gegen uns ab!

Willst du uns ewig zürnen,

soll deine Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?

Willst du uns nicht wieder beleben,

so daß dein Volk an dir freuen kann?

Erweise uns, Herr, deine Huld

und gewähre uns dein Heil!

Ich will hören, was Gott redet:

Frieden verkündet der Herr seinem Volk

und seinem Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.

Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten.

Seine Herrlichkeit wohne in unserem Land!

Es begegnen einander Huld und Treue;

Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sproßt aus der Erde hervor;

Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Auch spendet der Herr dann Segen,

und unser Land gibt seinen Ertrag.

Gerechtigkeit geht vor ihm her,

und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

 





Psalm 92

Wie groß sind deine Werke, o Herr,

wie tief deine Gedanken!

Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht,

ein Tor kann es nicht verstehen.

Wenn auch die Frevler gedeihen

und alle, die Unrecht tun, wachsen,

so nur, damit du sie für immer vernichtest.

Herr, du bist der Höchste,

du bleibst auf ewig.

Doch deine Feinde, Herr, wahrhaftig,

deine Feinde vergehen;

auseinandertreiben werden alle, die Unrecht tun

Du machst mich stark wie einen Stier,

du salbst mich mit frischen Öl.

Mein Auge blickt herab auf meine Verfolger,

auf alle, die sich gegen mich erheben;

mein Ohr hört vom Geschick der Bösen.

der Gerechte gedeiht wie die Palme,

er wächst wie die Zedern des Libanon.

Gepflanzt im Hause des Herrn,

gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.

Sie tragen Frucht noch im Altar

und bleiben voll Saft und Frische;

sie verkünden: Gerecht ist der Herr;

mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht

 





Psalm 99

Der Herr ist König: Es zittern die Völker.

Er thront auf dem Kerubin: Es wankt die Erde.

Groß ist der Herr auf Zion,

über alle Völker erhaben.

Preisen sollen sie deinen großen, majestätischen Namen.

Denn er ist heilig.

Stark ist der König, er liebt das Recht.

Du hast die Weltordnung fest begründet,

hast recht und Gerechtigkeit in Jakob geschaffen.

Rühmt den Herrn, unsern Gott;

werft euch am Schemel seiner Füße nieder!

Denn er ist heilig.

Mose und Aaron sind unter seinen Priestern,

Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen;

sie riefen zum Herrn, und er hat sie erhört.

Aus der Wolkensäule sprach er zu Ihnen;

seine Gebote hielten sie;

die Satzung, die er ihnen gab.

Herr, unser Gott, du hast sie erhört;

du warst ihnen ein verzeihender Gott,

aber du hast ihre Frevel vergolten.

Rühmt den Herrn, unsern Gott,

werft euch nieder an seinem heiligen Berge!

Denn heilig ist der Herr, unser Gott.